10. August 2016

Interview mit Herrn Christoph Peternell

COO der Hochdorf-Gruppe

Die vierte industrielle Revolution der Digitalisierung, auch IoT ‚Intenet of Thing‘, genannt ist, nicht mehr aufzuhalten. Viele Experten streiten sich darüber ob es sich um eine Revolution oder um eine Evolution handelt. Tatsache ist, dass die Vernetzung der Maschinen und Prozesse viele Chancen und Herausforderungen und damit verbunden auch viele Fragen aufwerfen. Vom Begriff Industrie 4.0 kann man in den Medien von vielen Ableitungen lesen, wie Lebensmittel 4.0, Food 4.0. Mit Herrn Christoph Peternell, COO der Hochdorf-Gruppe, unterhalten wir uns über ‚Dairy 4.0‘: Was bedeutet Industrie 4.0 für die Milch verarbeitende Industrie im Allgemeinen, im Speziellen für die Hochdorf-Gruppe.

Das Beispiel der Babykapseln mit der dazugehörenden ‚Schoppen-Maschine‘ und der angebundenen Babywaage, welche die optimale tägliche Babynahrung ermittelt und via Internet mit dem Smartphone betrieben werden kann, zeigt, dass Industrie 4.0 und ‚Internet of Thing‘ bereits Realität ist.

Wie beurteilen Sie die anstehenden Herausforderungen der Milch verarbeitenden Industrie mit Industrie 4.0?

Das Milchgeschäft läuft traditionell über persönliche Kontakte und ist stark regional verwurzelt im Vergleich zu anderen Lebensmittelgeschäften. Wir kämpfen tagtäglich mit der Volatilität der täglichen Milchmengen. Wir betreiben grossen Aufwand, diese Planung so präzise wie möglich zu prognostizieren. Dank dem grossen Bereitschaftswillen und der Flexibilität aller Mitarbeiter der Hochdorf Swiss Nutrition AG können wir zur Zeit die angelieferten Milchmengen verarbeiten. Wir erhoffen uns, dass die Initiative ‚Industrie 4.0‘ einen langfristig verbesserten Datenaustausch in Be- zug auf den Milchfluss mit unseren Geschäftspartnern wie Produzenten, Händlern und Verarbeitern bringen kann. Mit einem verbesserten Datenaustausch denken wir diesbezüglich an zeitnahe, systemintegrierte Milchmengeninformationen mit der notwendigen Datenqualität.

Alle sind sich einig, mit Industrie 4.0 müssen die Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle angepasst werden? Wohin wird sich die Milch verarbeitende Industrie entwickeln?

Wir in der Milchindustrie müssen wie alle Betriebe der Lebensmittelindustrie immer strengeren öko- logischen und sozialen Regulatorien Folge leisten, sich stetig ändernden gesellschaftlichen Produkt- ansprüchen wie Foodsafety und Konsumtrends stellen und auf die Implikationen der Ordnungsän- derung der globalen Wirtschaft reagieren. Wir fokussieren uns auf die Herstellung von einwandfreien und qualitativ hochstehenden Milchprodukten. Dazu benötigen wir die besten Produktionsmittel und die damit verbunden Dienstleistungen wie Engineering für neue Projekte, für Optimierungen und für die Aufrechterhaltung des Betriebes. Der Anteil IT an den Produktionsmitteln steigt stetig. Das Engineering erfordert immer mehr Expertenwissen. Wir sind kaum in der Lage mit der Eigenleistung Schritt zu halten. Somit sind wir auf externes Fachwissen und Kapazitäten angewiesen und können auf gutes regionales Netzwerk zurückgreifen. Die Firmen bekommen von uns den notwendigen und kontrollierten Zugriff auf unsere elektronischen In- formationen und Daten.

Jede Kuh hat bereits einen implantierten Chip, oder trägt zumindest einen RFI-Tag. Die Fütterung jeder Kuh wird protokolliert. Die Milchsammlung und der Transport zu den Toren Ihrer Fabriken werden aufgezeichnet für die lückenlose Rückverfolgung der Qualität und Herkunft. In der Verarbeitung ist mittels Chargenverfolgung das Tracking und Tracing seit Jahren implementiert.

Wo sehen Sie den weiteren Nutzen von Industrie 4.0?

Jede Information, welche wir früher bekommen, hilft uns. Insbesonders Informationen, welche auf unsere Produktionsplanung Einfluss haben könnten. Da wir unsere Anlagen rund um die Uhr 7 Tage die Woche betreiben, können wir nicht auf das Wochenende als Kapazitätsreserve zurückgreifen. Daraus leitet sich ab, dass bei Optimierungs- und Unterhaltsarbeiten an den Anlagen und Steuerungen die entsprechend geplanten Zeitfenster eingehalten werden müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass mit Industrie 4.0 der Informationsfluss schneller und schlanker gestaltet werden kann und so die operative Hektik bei unvorhergesehenen Ereignissen reduziert werden kann.

Wir danken für das Gespräch.
Roland Bieri, acs AG

Interview mit Herrn Christoph Peternell